Obsidian

- Länge über alles: 84,2 m
- Ablieferung: 2023
- Werft: Feadship (De Voogt Naval Architects)
- Design: RWD mit MONK Design (Exterieur und Interieur)
- Antrieb: dieselelektrischer FAED-Hybrid, gegenläufige Veth-Ruderpropeller (ohne Wellen oder Ruder)
- Batteriebank: rund 4,5 MWh (560 Module)
- Reichweite rein elektrisch: rund 35 nm bei 10 Knoten
- Kraftstoff: HVO-biokraftstofffähig, rund 90 Prozent weniger CO2 als fossiler Kraftstoff
Ein neuer Maßstab für saubereres Fahren
Obsidian war die erste Ablieferung von Feadship im Jahr 2023 und kam mit einem klaren Auftrag, nämlich den Standard für die Senkung des CO2-Ausstoßes bei einer großen Custom-Yacht anzuheben. Mit 84,2 Metern wurde sie nach einer ausdrücklichen Vorgabe des Eigners gebaut, die Emissionen über ihr ganzes Betriebsleben zu senken. Die Werft stellte sie als Auftakt einer neuen Generation dar, Teil ihres erklärten Ziels, bis 2030 klimaneutrale Superyachten zu bauen. Sie belegt, dass ein ernsthaftes Umweltlastenheft und voller Feadship-Luxus zusammen bestehen können.
Die Zahlen hinter dieser Aussage sind erheblich. Mit dem Branchenwerkzeug YETI analysiert, arbeitet Obsidian schätzungsweise mit rund 27 Prozent geringerer Gesamtumweltwirkung als eine vergleichbare Yacht, die fünf Jahre früher mit fossilem Kraftstoff zu Wasser ging, und mit rund 60 Prozent weniger im Betrieb mit Biokraftstoff. Feadship rechnet ihr außerdem mehr als 30 Prozent weniger Wirkung an als dem eigenen ersten Hybrid Savannah. Diese Zahlen geben der Nachhaltigkeitsgeschichte ein messbares Rückgrat. Obsidian wurde so entworfen, dass sie an Belegen und nicht an Absichten gemessen wird.
RWD-Gestaltung mit reinem Gewissen
Das Exterieur stammt vom britischen Studio RWD, entwickelt in Zusammenarbeit mit MONK Design, und es trägt seine Effizienz still. Das Profil ist glatt und modern, geformt, um Widerstand zu senken und die emissionsarmen Systeme darunter zu ergänzen. Der Wegfall von Antriebswellen und Rudern gab den Konstrukteuren mehr Freiheit bei der Rumpfform, denn die Anhänge, die sonst Widerstand erzeugen, sind verschwunden. Diese sauberere Unterwasserform trägt unmittelbar zur Effizienz der Yacht bei.
Über der Wasserlinie setzt der Entwurf ungewöhnlich viel Raum für Gäste frei. Ohne die Maschinenanordnung einer konventionellen Yacht ließ sich das Layout so umbauen, dass die Wohnbereiche mehr Platz bekamen. Weite Decks und großzügige Verglasung halten das Interieur mit Meer und Umgebung verbunden. Die Außenbereiche sind auf entspannte Nutzung in unterschiedlichen Klimazonen eingerichtet. Das ganze Paket zeigt, wie ein Umweltlastenheft Aussehen und Wirkung einer Yacht auf positive Weise formen kann.
Eine Feadship der neuen Generation, um die Senkung des CO2-Ausstoßes herum gebaut, ohne Antriebswellen und ohne Ruder.
Raum, den kluge Technik freisetzt
Innen führte RWD die Gestaltung bis in die Gästebereiche weiter, die unmittelbar von der ungewöhnlichen Technik der Yacht profitieren. Der Wegfall von Wellen und Rudern und der kompakte Elektroantrieb erlaubten es, die Unterbringung freier als üblich anzuordnen. Obsidian bietet sieben Kabinen mit Volumen, die für eine 84 Meter lange Yacht großzügig wirken. Der Ton des Interieurs ist zeitgenössisch und warm, im Gleichklang mit der Außengestaltung. Feine Materialien und die Feadship-Tischlerarbeit geben den Räumen die Tiefe, die man auf diesem Niveau erwartet.
Der leise Betrieb der Yacht prägt das Erlebnis im Inneren ebenso wie jede Oberfläche. Weil die Batteriebank die Hotellast vor Anker über viele Stunden tragen kann, können Gäste stille, geräuschlose Nächte genießen, ohne dass im Hintergrund ein Generator brummt. Diese Ruhe ist ein Luxus für sich und ein unmittelbares Ergebnis der Antriebsauslegung. Die Wohnbereiche sind auf Komfort bei langen Aufenthalten an Bord angelegt. Das Ergebnis ist ein modernes Interieur, das leicht, offen und ungewöhnlich friedlich wirkt.
Der Feadship Advanced Electrical Drive
Obsidian ist um das Programm Advanced Electrical Drive von Feadship herum gebaut, einen dieselelektrischen Hybrid mit einer großen Lithium-Batteriebank von rund 4,5 Megawattstunden in 560 Modulen. Das ist etwa das Viereinhalbfache des elektrischen Speichers von Savannah, dem ersten Hybrid der Werft, und die Anlage arbeitet mit 1.000 Volt gegenüber 560 bei der früheren Yacht. Vier drehzahlvariable Generatoren auf Basis modifizierter Caterpillar-C32-Motoren speisen das System. Antrieb und Steuerung übernehmen zwei gegenläufige Veth-Ruderpropeller, die sowohl Antriebswellen als auch Ruder überflüssig machen.
In der Praxis gibt das System Obsidian echte Elektrofähigkeit. Sie kann allein mit Batterieleistung rund 35 Seemeilen bei 10 Knoten zurücklegen und ihre Hotellasten vor Anker 10 bis 15 Stunden lang lautlos halten. Ihre Generatoren können mit HVO-Biokraftstoff der zweiten Generation laufen, was den CO2-Ausstoß nach Angaben der Werft gegenüber fossilem Kraftstoff um rund 90 Prozent senkt. Zusammen greifen diese Merkmale die Emissionen aus mehreren Richtungen zugleich an. Die Technik ist der Grund, warum Obsidian ihre Umweltaussagen belegen kann.
Ein Eignerauftrag, der den Markt bewegt hat
Obsidian existiert, weil ihr Eigner sie verlangte und mit einer Vorgabe zur Senkung des CO2-Ausstoßes das ganze Projekt prägte. Feadship hat den Eigner im Einklang mit der üblichen Zurückhaltung nicht genannt. Was die Yacht zeigt, ist, dass die Nachfrage nach saubereren Superyachten von den Kunden selbst kommt und nicht nur von Regulierern. Diese Verschiebung zählt für die ganze Branche, denn der Appetit der Eigner treibt, was Werften entwickeln. Obsidian hat eine persönliche Überzeugung in ein fahrendes Schiff übersetzt.
Als Marktsignal wiegt Obsidian weit über die eigenen Decks hinaus. Sie zeigt, dass ein Full-Custom-Flaggschiff ernsthaften Effizienzgewinnen nachjagen kann, ohne Komfort oder Stil aufzugeben, und das verschiebt, was Käufer vernünftigerweise verlangen können. Feadship hat die Erkenntnisse aus ihrem Bau in spätere Projekte auf dem Weg zum Ziel 2030 einfließen lassen. Für Eigner, die einen neuen Auftrag abwägen, ist sie der Beleg, dass sich Nachhaltigkeit und Begehrlichkeit gemeinsam spezifizieren lassen. Ihr Einfluss dürfte die Neuheit ihrer Technik überdauern.
Design
- Exterieurdesign: RWD (Redman Whiteley Dixon), in collaboration with MONK Design
- Konstruktion: Feadship - De Voogt Naval Architects
Für wen: Eigner, die eine große Custom-Yacht mit wirklich kleinerem ökologischen Fußabdruck wollen, gestützt auf messbare Zahlen statt auf Behauptungen.
Richtpreis: Wert von SuperYachtFan auf rund USD 180 Millionen geschätzt; als Eigner wird Karel Komarek berichtet. Inoffizielle Schätzung, kein von der Werft veröffentlichter Preis.