Blue

- Länge über alles: 160,6 m
- Vermessung: 14.785 GT
- Breite: 22,5 m
- Ablieferung: 30. Juni 2022 (Bauname Project Blue)
- Werft: Lurssen (Deutschland)
- Exterieur- und Interieurdesign: Terence Disdale
- Antrieb: dieselelektrischer Hybrid mit elektrischen Azimut-Podantrieben
- Zählt zu den längsten Yachten der Welt
Maßstab mit Gewissen
Blue fällt sogar innerhalb der Lurssen-Flotte von Riesen auf. Mit gut 160 Metern und 14.785 GT zählt sie zu den längsten Yachten der Welt, einer Kategorie mit nur einer Handvoll Schiffen. Schon ihre Länge würde sie bemerkenswert machen. Der Aufwand, ihren ökologischen Fußabdruck zu senken, hebt sie weiter ab.
Der Bau lief mehrere Jahre unter dem Namen Project Blue, bis zur Übergabe am 30. Juni 2022. Sie kam zu einer Zeit, als Eigner und Bauer unter wachsendem Druck standen zu zeigen, dass auch die größten Yachten grüner werden können. Lurssen nutzte Blue, um zu belegen, was am oberen Ende der Größenskala möglich ist. Das Schiff wurde zum Bezugspunkt für nachhaltigen Ehrgeiz in einer Branche, die oft für Übermaß kritisiert wird.
Eine zurückhaltende Hand
Sowohl die Außengestaltung als auch das Interieur kamen von Terence Disdale, dem britischen Designer, der für eine entspannte, resortartige Ästhetik statt für harte Moderne bekannt ist. Auf einem Rumpf dieser Größe zählt dieser Instinkt, denn schiere Größe kippt leicht ins Einschüchternde. Disdale brach das Volumen in bewohnbare, geschichtete Decks mit großzügigem Außenraum herunter. Das Profil ist für ihre Länge lang und flach und trägt ihre Masse mit einer gewissen Ruhe.
Der Rumpf ist aus Stahl mit Aluminiumaufbauten und kommt auf eine Breite von rund 22,5 Metern. Diese Weite gibt den Interieurgestaltern über ihre vielen Decks enorme Grundflächen an die Hand. Die Gästezonen wurden in eigene Bereiche gegliedert, jeder mit eigenem Charakter, damit sich eine über das Schiff verteilte Gesellschaft nie in einem einzigen gleichförmigen Raum verliert. Der Ansatz stellt Komfort über Schau.
Eine der längsten Yachten auf dem Wasser und eine Wette darauf, dass sich Maßstab und sauberere Leistung einen Rumpf teilen können.
Ein hybrides Herz
Das bestimmende Merkmal von Blue ist ihr Antrieb. Sie fährt ein dieselelektrisches Hybridsystem, aufgebaut um elektrische Azimut-Podantriebe, die das Schiff entweder direkt bewegen oder bei höheren Geschwindigkeiten Strom in das weitere Bordnetz einspeisen können. Die Anordnung soll den Kraftstoffverbrauch senken und in Marschfahrt leise laufen. Ihre Marschfahrt liegt bei rund achtzehn Knoten, das obere Ende bei knapp zwanzig.
Das Umweltpaket geht über den Antrieb hinaus. Blue trägt eine fortschrittliche Abgasnachbehandlung zur Senkung der Stickoxide sowie eine Abwasseranlage, die das Bordwasser vor der Abgabe auf sehr hohem Niveau aufbereitet. Das sind Systeme, die man eher mit modernen Handelsschiffen verbindet als mit privaten Yachten. Sie in ein Schiff dieser Größe einzupassen, stand im Zentrum des Projektzwecks.
Ein Resort auf See
Blue soll eine sehr große Zahl von Gästen über ihre vielen Suiten aufnehmen, mit entsprechender Crewstärke. Das Innenvolumen erlaubt die Art von Einrichtungen, die nur die größten Yachten beherbergen können, so angeordnet, dass Gäste ruhige Ecken ebenso leicht finden wie Gesellschaftsräume. Disdales geschichtete Decks geben dem Schiff eher den Charakter einer Nachbarschaft als einer einzigen großen Geste. Es ist ein Schiff, in dem man über lange Strecken leben soll.
Das Leben im Freien steht im Zentrum des Erlebnisses, mit weitläufigen Deckflächen und Pools, die ihre Breite ausnutzen. Der Maßstab bedeutet, dass das Schiff große Zusammenkünfte tragen kann und für die Eignerfamilie dennoch privat bleibt. Das Leben an Bord kommt dem eines kleinen schwimmenden Resorts näher als dem einer konventionellen Yacht. Alles ist auf lange Törns mit vielen Menschen an Bord bemessen.
Ein Eigner im Rampenlicht
Blue wird breit Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan zugeschrieben, einem ranghohen Angehörigen der Herrscherfamilie von Abu Dhabi und Vizepräsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate. Wie bei allen Yachten dieses Niveaus ist diese Zuordnung berichtet und nicht offiziell von Eigner oder Werft bestätigt. Schiffe dieser Größe lassen sich kaum anonym halten, und die Bewegungen von Blue ziehen stetige Aufmerksamkeit auf sich. Die Berichterstattung war in der Fachpresse durchgängig.
Marktseitig bewegt sich Blue in erlesener Gesellschaft. Nur wenige Yachten übertreffen ihre Länge, und jede steht für eine Investition, die weltweit nur sehr wenige Familien überhaupt erwägen könnten. Ihre Umwelttechnik gibt ihr zudem eine eigene Stellung, als Aussage, dass sich Maßstab und Verantwortung gemeinsam verfolgen lassen. Für die Werft ist sie ein Beweis der Leistungsfähigkeit am äußersten Rand des Baubaren.
Design
- Exterieurdesign: Terence Disdale Design
- Konstruktion: Lurssen
Für wen: Ein Familien- oder Staatsoberhaupt, das eine der größten Yachten der Welt will und zugleich ein sichtbares Bekenntnis zu saubererer maritimer Technik ablegt.