Lurssen wurde 1875 gegründet, als der vierundzwanzigjährige Friedrich Lurssen in Aumund am Rand von Bremen eine Bootsbauwerkstatt eröffnete. Das Unternehmen ist seither in Familienhand und wird heute von der vierten Generation geführt, mit Peter Lurssen als Vorsitzendem der Geschäftsführung und Friedrich Lurssen als Geschäftsführer. 1886 wird der Werft der Bau eines der frühesten seegehenden Motorboote zugeschrieben, ein Vorhaben, das sie gemeinsam mit dem Motorenpionier Gottlieb Daimler verfolgte. Dieser Gründungsinstinkt für den Antrieb zieht sich seit fast anderthalb Jahrhunderten durch das Unternehmen.
Über weite Teile des zwanzigsten Jahrhunderts war die Werft für schnelle Marinefahrzeuge und Arbeitsschiffe ebenso bekannt wie für Freizeitschiffe. Der moderne Ruf, jener, der die vermögendsten Eigner der Welt nach Bremen zieht, entstand in den vergangenen Jahrzehnten, als Lurssen seine ingenieurtechnische Disziplin auf sehr große Custom-Yachten richtete. Heute bleibt die Gruppe außerdem ein ernstzunehmender Marine- und Handelsschiffbauer. Diese Breite können wenige ihrer Wettbewerber im Yachtbau für sich beanspruchen.
Was Lurssen abhebt, ist die Bereitschaft, in einem Maßstab zu bauen, den fast keine andere Werft versucht. Die 180 Meter lange Azzam, 2013 abgeliefert, galt jahrelang als eine der größten je fertiggestellten Privatyachten, und die Werft hat seither eine Reihe von Schiffen über 140 Meter abgeliefert. Das sind in jedem technischen Sinn hochseegehende Schiffe, mit der Klassifikation und der Redundanz, die diese Größe verlangt. Die Arbeit verteilt sich auf mehrere Standorte rund um Bremen und Rendsburg, wo überdachte Hallen den ganzjährigen Bau abseits der Öffentlichkeit erlauben.
Der Hausstil neigt eher zur Zurückhaltung als zum Glanz. Lurssen lässt gern die Konstruktion und die Bauqualität für den Eigner sprechen und arbeitet mit den führenden externen Entwurfsstudios, statt einen einzigen Auftritt vorzugeben. Verschwiegenheit gehört zum Angebot. Projekte laufen jahrelang unter Decknamen, und viele Eigner werden nie offiziell bestätigt.
Im Markt für die größten Custom-Yachten steht Lurssen neben einer sehr kleinen Gruppe nordeuropäischer Werften, und am äußersten oberen Ende steht die Werft oft allein. Eigner, die hier ein Schiff in Auftrag geben, sind meist Wiederholungskunden oder kommen über direkte Empfehlung, und Ablieferungsplätze sind Jahre im Voraus vergeben. Die Kundenliste umfasste über die Jahre Eigner wie Paul Allen und David Geffen sowie Angehörige mehrerer Herrscherfamilien am Golf. Diese Liste ist der klarste Maßstab dafür, wo die Werft steht.
Die Wiederverkaufswerte erzählen ihre eigene Geschichte. Gut gepflegte Lurssen-Yachten halten ihren Preis besser als fast alles auf dem Wasser, und mehrere haben binnen ein oder zwei Jahren nach der Ablieferung zu Summen nahe an oder über ihren berichteten Baukosten den Eigner gewechselt. Für einen Käufer auf diesem Niveau ist der Name auf dem Bauschild eine Form der Absicherung. Deshalb bleibt das Auftragsbuch voll, unabhängig vom weiteren wirtschaftlichen Wetter.
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